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Ich muss gestehen, dass ich auch ein Schalke-Fan bin.
Das war nicht immer so, denn als Kind schlug mein Herz für den FC Köln.
Mit Toni „Tünn“ Schuhmacher im Tor, den Allofs Brüdern und natürlich meinen beiden Lieblingsspielern Pierre „Litti“ Littbarski und Tony Woodcock.
Dann, als ich nach Frankreich zog, wurde ich Fans der Girondins de Bordeaux, wo neben Klaus Allofs, auch solche französischen Ballkünstler wie Alain Giresse (der französische Littbarski) und Jean Tigana gespielt haben.
Als mein Lebensweg mich zurück nach Deutschland führte, entflammte meine Fußball-Leidenschaft erneut, diesmal für den S04, der damals noch in der zweiten Liga dümpelte.
Irgendwie hatte ich schon immer ein Hang zum Leiden.
Es kann sein, dass viele Fußballfans diese wechselhaften Beziehungen zu verschiedenen Fußballvereinen nicht nachvollziehen können, aber manchmal muss man sich im Leben umschauen, bevor man sich entscheidet. Außerdem habe ich mir meinen Verein mit (einigermaßen) klarem Verstand ausgesucht und wurde nicht einer väterlichen Gehirnwäsche mit anschließender Indoktrinierung unterzogen.

Meine Beziehung zum Wuppertaler SV hingegen ist ein schönes Beispiel dafür, dass es auch Liebe gibt, die erste einmal reifen muss, bevor sie soweit ist, gepflückt zu werden. Als Kind war der WSV für mich eine gute Freundin, die ich gelegentlich mit meinem Vater besuchte.
Auch in Zeiten in denen ich im Ausland verweilte und meinen Urlaub in väterlicher Obhut verbrachte, führte der Weg mich immer wieder ins Stadion am Zoo, nicht als Liebhaber, sondern vielmehr als Auslandsbesuch, der seine jährliche Aufwartung machte.
Dann eines Tage erkannte ich die wahre Schönheit hinter der tristen, grauen Fassade dieses Vereines und es war um mich geschehen.
Diese Liebe war keine Liebe auf den ersten Blick, sie hat Zeit gebraucht, ist gereift, dafür ist sie aber jetzt um so intensiver. Und sollte es eines Tages ein Spiel Schalke 04 gegen WSV geben, bei dem es wirklich um was geht, werde ich im Rot-Blauen Block stehen und das Wuppertal-Lied singen.

Ich kenn ein Mädchen und das heißt Lehnchen
Das wohnt in Wuppertal am Tippen-Tappen-Tönchen
Da steht ein kleines Haus,
da schaut das Mädchen raus
Wer kennt nicht das Lehnchen vom Tippen-Tappen-Tönchen

Komm, komm, komm mein Schatz, nimm an meiner Seite Platz
Mit der Bimmel-Bummel-Bahn fahren wir nach Küllenhahn
Und da steigen wir aus und wandern ins Grüne hinaus

Grüß mir die Heimat, grüß mir mein Wuppertal
Mit seinen Bergen und mit seiner Schwebebahn
Dort wo der Amboß klingt, dort wo die Wupper rauscht
Da ist meine Heimat, da bin ich zu Haus
Dort wo der Amboß klingt, dort wo die Wupper rauscht
Da ist meine Heimat, da bin ich zu Haus.

Es kann sein, dass der folgende Vorschlag vielleicht ein wenig übertrieben klingt und den einen oder anderen Leser schockieren mag (für die gibt es ja immer noch den Link zur Bildzeitung), aber ich fände es gar nicht verkehrt, wenn man Fußballer nach ihrer aktiven Karriere erschießen würde … oder sie zumindest irgendwohin verschwinden lässt, so dass sie nie wieder auftauchen.

Wenn ich mir ansehe, was aus den Fußball-Idolen meiner Jugend geworden ist, werden alle meine Zweifel am gesunden Menschenverstand der homo sapiens (insbesondere der Untergattung homo pedis pila) nicht nur bestätigt, sondern tausendfach übertroffen.
Ein sehr bedauernswerter Zustand, da es mir schwer fällt meine damaligen Vorbilder so in Erinnerung zu behalten, wie sie es durch ihre fußballerischen Großtaten eigentlich verdient hätten, und ich mich stattdessen mit heruntergekommenen Abziehbilder dieser Fußballgötzen herumschlagen muss. Man möchte seine toten Verwandten ja auch als lebendige Menschen in Erinnerung behalten, und nicht aufgebahrt und zurecht geschminkt.

Pierre Littbarski war in seinen aktiven Zeiten nicht nur ein grandioser Fußballer, sondern auch noch ein Sympathieträger, ein Strahlemann, der mir als Kind so imponiert hat, dass ich deswegen heute O-Beine habe wie ein Schweinezüchter.
Er war klein, flink, dribbelstark, der ideale Flügelläufer, der seinen Gegner den Ball durch die Nasenlöcher spielen konnte (rechts rein, links raus).
Leider ist er aber auch das beste Beispiel dafür, dass man als großartiger Fußballspieler nicht unbedingt auch einen guter Trainer abgeben muss. Erst sein Co-Trainer Posten beim Bayer Leverkusen (Bayer Leverkusen!! – warum nicht gleich zu einer der Fortunas?!) und dann noch die erfolglose Zeit beim MSV Duisburg haben, in meiner persönlichen Wahrnehmung, aus einen Sympathieträger von einst, einen unsympathischen Verlierer gemacht.

Wenn man Litti aber etwas zu Gute halten will, dann die Tatsache, dass er wieder nach Japan verschwunden ist und es mir somit leichter macht, mich in seinem Zusammenhang an die „Guten Alten Zeiten“ zur erinnern.

Das gebrochenste meiner Idole ist aber zweifelsfrei Diego Armando Maradona.
Ein fußballerisches Genie, dem man sogar die Tatsache verzeihen kann, dass er uns damals seine Hand als die „Hand Gottes“ verkaufen wollte , und der – im gleichen Spiel – immerhin das Tor des Jahrhunderts schoss, in dem er die gesamte englische Nationalmannschaft narrte, sie ausdribbelte, um den Ball dann aus unmöglichem Winkel ins Tor zu befördern.
Eins Messerstich ins britische Herz, das noch von der zuvor geschehenen Ungerechtigkeit ganz zerschunden war.

Schauen wir uns Maradona heute an, so kann man schon nicht mehr davon sprechen, dass der Mann der Schatten seiner selbst ist, sondern vielmehr gewinnt man den Eindruck, dass Maradona seinen Schatten aufgegessen haben muss … und die Schatten vieler anderer.
Wie konnte aus einem Fußballgott, bloß so ein fetter, arroganter Kerl werden?

Mein Vater pflegte früher immer zu sagen: Alkohol mach Birne hohl und Drogen machen doof! Wenn dieser weise Spruch jemals eines lebenden Beweises bedürft hätte, dann wäre Diego Armando Maradona wie dafür geschaffen.
Frei nach dem Motto: du bist, was du isst – sieht der gute Mann immer mehr aus, wie ein Kolumbianischer Drogenbaron und entfernt sich dabei stetig weiter von seiner einstigen Vorbildfunktion. Auf meiner persönlichen Jugend-Vorbild-Skala liegt Maradona inzwischen knapp hinter Charles Manson.

Aber immerhin macht Maradona keine Werbung für Potenzmittel!

Kill your idols … before they get old.

Du hast eine witzige Fußballgeschichte erlebt, egal ob auf dem Platz, im Stadion oder vor der heimischen Kiste. Dann schreib sie auf und schick sie mir an dgrashoff [at] web.de
Wenn sie mir gefällt, werde ich sie gerne im BALLGEFÜHL-Blog veröffentlichen.

Jetzt bist du dran!

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